„Wir sollten wissen was wir anziehen!“

Staatssekretär Norbert Barthle besuchte Dr. Fair Fashion

Winfried Mack, Uli Riegel und Norbert Barthle
Winfried Mack, Uli Riegel und Norbert Barthle
Seit einer Woche hat Aalen eine neue Anlaufstelle für faire Mode und Accessoires und bietet zusätzlich Informationen rund um Nachhaltigkeit und Fairtrade. „Uli Riegel kann Stolz auf sein neues Geschäft sein, denn sein Konzept ist gut für die Produzenten und die Kunden.“, so Norbert Barthle am Mittwoch bei seinem Besuch bei Dr. Fair Fashion.

Norbert Barthle ist Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Auf Einladung des Landtagsabgeordneten Winfried Mack berichtete er über den Einsatz der Bundesregierung für nachhaltige Lieferketten und dazu geplante gesetzliche Regelungen. „Wir sollten wissen was wir anziehen, woher die Kleidung kommt und unter welchen Bedingungen diese produziert wurde!“, forderte Barthle die interessierten Besucher auf.

Der Inhaber von Dr. Fair Fashion, Uli Riegel, sieht dies genauso: „Wir tragen so viel Gift auf unserem Körper, davon kommen auch viele Hautprobleme und natürlich müssen wir auch an die Arbeiter denken, die unter gesundheitsgefährdenden Bedingungen beispielsweise Jeans sandstrahlen.“ Dabei müsse der Kunde fairer Jeans aber nicht auf moderne Waschungen verzichten, so Riegel, heute könne der gleiche Effekt mit Lasertechnik entstehen.

Winfried Mack lobte die Einführung des staatlichen Siegels „Grüner Knopf“ für nachhaltige Kleidung. „Das gibt dem Kunden Sicherheit beim Einkauf.“ Mack der bereits bei der Eröffnung vor Ort war, hoffe auf ein Umdenken beim Kaufverhalten. „Mich schockiert, dass ein Kleidungsstück im Durchschnitt nur vier Mal getragen wird. Wir alle sollten auf Qualität und nicht Quantität setzen.“

Uli Riegel pflichtete dem Landtagsabgeordneten bei: „Jeder kann sich zehn Shirts für 4 Euro kaufen oder eines für 40 Euro. Die Klimabilanz ist bei zehn Shirts, die mit dem Containerschiff aus Asien kommen, allerdings deutlich schlechter.“ Ihn störe auch die massive Vernichtung von Retouren und Überproduktionen. Als Händler vor Ort hoffe er auf die Einsicht der Kunden, dass es für die Umwelt besser sei, die Kleidung vor Ort anzuprobieren. Norbert Barhtle gab er den Auftrag mit, die Kosten für Retouren zu erhöhen. So könne CO2 und Müll vermieden und der Handel in den Städten unterstützt werden.

Fairtrade sei natürlich nicht nur in der Mode wichtig, betonte Norbert Barthle. „In Deutschland sind bereits 60 % der Schokolade fair gehandelt. Beim Kaffee sind es nur 10 %.“, so der Staatssekretär. Hier seien die Kommunen in der Pflicht mit gutem Beispiel voranzugehen und beispielsweise in kommunalen Einrichtungen ausschließlich fair gehandelte Produkte anzubieten. Im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit sei dies bereits Standard.  

Am Ende gab Uli Riegel noch einen Ausblick auf das Frühjahr 2020. Dann werde es bei Dr. Fair Fashion Schuhe aus Apfelleder, also Apfelresten, geben.

 

Informationen zum Siegel „Grüner Knopf“

-       Einführungsphase läuft seit 9. September 2019 bis voraussichtlich Ende Juni 2020.

-       sozial, ökologisch, staatlich, unabhängig finanziert

-       Bisher ist die Nutzung des Siegels für die Unternehmen freiwillig.

-       Das Siegel wird gut sichtbar direkt in die Kleidung eingenäht.

-       Unternehmen wie beispielsweise Trigema, Tchibo, Aldi, Lidl, Kaufland, etc. führen bereits Produkte mit dem Siegel.

-       Nur wenn das Produkt und das Unternehmen alle Anforderungen einhalten, kann der Grüne Knopf vergeben werden. Das ist das Besondere am staatlichen Textilsiegel: Das ganze Unternehmen wird geprüft. Einzelne Vorzeigeprodukte alleine reichen nicht aus.

-       Insgesamt müssen 46 anspruchsvolle Sozial- und Umweltkriterien eingehalten werden: 20 Unternehmenskriterien und 26 soziale und ökologische Produktkriterien.

-       Zum Start prüft das Siegel die Produktionsstufen „Zuschneiden und Nähen“ sowie „Bleichen und Färben“.

 

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