Meine Rede anlässlich der Bauernkundgebung auf der Ipfmesse am 8. Juli 2019

Die Ipf-Messe ist ein Fest für alle Sinne, ist Ausdruck unserer Lebensfreude,
unserer schwäbischen Seele und auch unseres Gemeinsinns.

Ein Fest, bei dem wir alle Dankbarkeit erweisen für unseren Nährstand und für die guten Lebensmittel, die auf unseren Tisch kommen und genauso in unsere Gläser!

 

Deshalb ist es richtig, dass wir in jedem Jahr bei dieser Kundgebung der Frage nachgehen: Welche Perspektiven hat unsere Landwirtschaft, der Ländliche Raum insgesamt und damit unsere Heimat?

Mich bewegt die Frage: Kann die Doktrin des einstigen EU-Kommissars Mansholt noch Bestand haben, gilt noch die Formel „wachsen oder weichen“?

Oder ist diese Formel überholt? Sie ist überholt! Jedenfalls für Süddeutschland, für Baden-Württemberg und Bayern.

Der Strukturwandel der vergangenen Jahrzehnte war in keinem Bereich so heftig wie in der Landwirtschaft. Kein Berufsstand musste so viele Innovationen leisten, um bestehen zu können wie unsere bäuerlichen Familienbetriebe. 

Wahr ist auch, kein Berufsstand steht derart unter dem Druck von Auflagen und Verordnungen wie unsere Landwirtschaft. 

Und natürlich geht die Technisierung der Landwirtschaft immer weiter, denken Sie nur an selbstfahrende Traktoren, an deren Kosten und Möglichkeiten. Deshalb stehen Betriebsformen in der Landwirtschaft immer auf dem Prüfstand. Gut, dass wir beispielsweise den Maschinenring haben.

Doch wir sind jetzt an einem Punkt, wo wir sagen müssen: wenn „wachsen oder weichen“ weitergilt, bleiben am Ende nur ganz wenige Betriebe bei uns übrig, die von der Größe und der Arbeitsweise her nicht mehr zu unserer kleinräumigen Süddeutschen Landschaft passen!

Für uns gilt das Leitbild des naturnah wirtschaftenden, familiengeprägten bäuerlichen Familienbetriebs.

Ein Zurück in die vermeintlich gute alte Zeit ist das nicht! Stillstand bringt uns auch nicht weiter. Wir brauchen also eine Vorwärtsstrategie für unsere Landwirtschaft und für das ganze Land.

Deshalb gilt zuerst: Gute, naturnah produzierte Lebensmittel haben ihren Preis.

Deshalb lieber mal weniger Fleisch, dafür vom heimischen Landwirt und Metzger. Das spart auch manche scheußliche Plastikverpackung. Und dass so viele Lebensmittel weggeworfen werden, ist eine Schande.

Dann: Familien haben oftmals die Belastungsgrenze erreicht: hohe Mieten oder hohe Kosten fürs Häusle, Kosten für Mobilität, Kosten für Bildung der Kinder und für Weiterbildung. Deshalb müssen wir bei der anstehenden Entscheidung zur C0 2 Bepreisung jetzt gerade auf Familien schauen:

Man sollte mit einem Durchschnittsgehalt eine durchschnittliche Familie ernähren können! Und dabei einen gerechten Preis für Nahrungsmittel zahlen können!

Manche sehen in Bio-Lebensmitteln die einzige Zukunft. 

Wir haben im Moment in Baden-Württemberg eine Bio Quote von 14 %. Wenn es gelingt, den Markt aufzubohren, sind auch 20 % realistisch, ohne den Markt zu strapazieren. Die Bayern haben eine Quote von 25 % bereits im Gesetzblatt. Dies ist ein sehr ehrgeiziges und gutes Ziel.

Dennoch müssen wir bei solchen Vorgaben sehr genau aufpassen und behutsam sein! Ein Überangebot lässt die Preise purzeln, auch im Bio-Bereich.

Auf der anderen Seite sehen wir, dass wir bei der Vermeidung von Spritzmitteln vorankommen müssen. Auch Landwirten machen Spritzmittel keine Freude! Denn sie sind teuer! Viele Spritzmittel wirken wegen Resistenzen immer weniger. Deshalb nähern sich die Bewirtschaftungsmethoden von Bio und konventionell ganz natürlich an.

Wir arbeiten im Land an einer Strategie zur Vermeidung oder zumindest starken Reduktion von Pestiziden. Uns ist bewusst, dass dieser Weg durch entsprechende Förderprogramme intensiv begleitet werden muss.

Der Artenschutz muss uns allen ein zentrales Anliegen sein. Jeder, wirklich jeder muss dazu seinen Beitrag leisten, wo er nur kann. Deshalb nehmen wir beim Artenschutz alle Flächen in den Blick, die Landwirtschaft alleine kann’s nicht richten. Auch die Stadtflächen, Gärten, Gewässer, und etwa das Straßenbegleitgrün und die Bahnflächen: Hier ist noch sehr viel zu tun!

Nur wenn Biene und Co. eine Heimat bei uns haben, haben auch wir eine Heimat; unsere Landwirte - wissen das längst!

Was wir meines Erachtens nicht brauchen in unserer Kulturlandschaft, das ist die Ausbreitung des Wolfs. Ohne unsere Schäfer und stattlichen Schafherden hätten wir nicht so ökologisch wertvolle Flächen wie den Ipf. Ohne Begrenzung des Wolfs wäre unsere Weidewirtschaft gefährdet und der Trend ginge zurück zur Massentierhaltung in Ställen, weil keiner mehr wagt, Herden im Freien zu halten!

Mir liegt eine Politik für die Landwirtschaft am Herzen, die jungen Leuten die Freude an der Übernahme eines landwirtschaftlichen Betriebes vermittelt und realistische Zukunftschancen aufzeigt.

Wir werben für Existenzgründer im IT und Mint Bereich, alles obercool und wichtig. Aber auch die Produktion von Nahrungsmitteln ist doch cool! 

Warum werben wir nicht auch dafür? Ich habe den Eindruck, dass eine Generation heranwächst, die sehr großen Wert auf gute Nahrungsmittel legt. Dem steht unser Leitbild einer naturnahen, zeitgemäß aufgestellten bäuerlichen Landwirtschaft gegenüber. 

Jede Zeit hat ihre Herausforderungen: wir haben unsere Flüsse sauber bekommen. Der Bodensee ist so sauber, dass es dort kaum noch Felchen gibt. Wir haben bestes Trinkwasser aus dem Wasserhahn. Wir haben den sauren Regen bekämpft den Katalysator eingeführt, die höchsten Umweltstandards in Europa. 

Uns wird es auch gelingen, unsere Insekten zu schützen und unsere bäuerliche Landwirtschaft in die Zukunft zu führen.

 

Nach oben