Annette Schavan glaubt an die Erneuerung der Katholischen Kirche

Zentral ist die Rückbesinnung auf die Anfänge

Pfarrer Wolfgang Sedlmeier, Annette Schavan und Winfried Mack
Pfarrer Wolfgang Sedlmeier, Annette Schavan und Winfried Mack
Der Einladung von Winfried Mack einen Vortag bei der Katholischen Kirche in Aalen zu halten, folgte Annette Schavan sehr gern. Am 31. Januar war das Salvatorheim dann so gut besucht, dass auch der letzte Stuhl benötigt wurde. Dies zeigte das große Interesse an dem Insiderblick in den Vatikan, den Annette Schavan als Botschafterin Deutschlands am Heiligen Stuhl a.D. hat.

Die Zuhörer waren fasziniert von der ruhigen und erfrischenden Art des Vortrags zum Thema „Die Christen und die Kraft der Erneuerung“, denn kein aktuelles Thema wurde ausgelassen. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass eine Erneuerung nur möglich ist, wenn sich die Katholische Kirche wieder zu ihren Wurzeln bekennt. Als Beispiel nannte Annette Schavan hierfür das Zölibat, das erst nach 1000 Jahren eingeführt wurde.

Annette Schavan glaubt fest daran, dass dieses Jahrhundert ein Jahrhundert des Glaubens wird. Die Christen müssten nur mit ihrer Insolvenz-Rhetorik aufhören und optimistischer in die Zukunft blicken. „Wenn wir immer nur lesen, es gäbe in 30 Jahren nur noch so wenige Pfarrer und nur noch so wenige Katholiken, da bekommt man doch keine Lust auf die Kirche.“, so Schavan.

Der Glaube könne gerade in der heutigen Zeit Orientierung geben und so nahm Annette Schavan den Ball von Winfried Mack auf, der in seiner Einführung die Digitalisierung als große Herausforderung bei der Orientierung im Leben beschrieben hatte.

Heitere Stimmung kam im Salvatorheim auf, als es um das Thema „Frauen in der Katholischen Kirche“ ging. Immer wenn sie gefragt werde, ob sie daran glaube, dass wir bald Frauen im Diakonat oder Priesteramt haben werden, antworte sie: „Wer hätte gedacht, dass die Mauer fällt. Selbst kurz vorher, hat damit keiner gerechnet.“ Und so sollen die Frauen weiter für ihr Recht kämpfen. Viel Applaus gab es dann für die Aufforderung, nicht zu warten bis die Bischöfe etwas erlaubten.

„Ich bin dafür, dass die Amtszeit von Bischöfen auf maximal zehn Jahre begrenzt wird. Danach sollen sie wieder in einer Gemeinde als Pfarrer arbeiten und ihre eigenen Vorschriften befolgen. Was glauben Sie wie schnell sich etwas ändern würde?“, rief Annette Schavan dem, von diesem Vorschlag begeisterten, Publikum zu.

Die Kirche bleibt im Dorf – damit würde Annette Schavan einen weiteren wichtigen Punkt auf dem Weg zur Erneuerung umschreiben. Es brauche wieder kleine Einheiten, weniger Verwaltung und einen neuen Begriff für Laien in der Kirche.

Von Papst Franziskus sprach die ehemalige Botschafterin voller Bewunderung. Es seien inspirierende Jahre in Rom gewesen. Auch weil Franziskus stets von „neuen Wegen“ und nicht von „bewahren“ sprach.

In der anschließenden Diskussion ging es um die Kurienreform, die Ökumene und den Missbrauchsskandal.

Winfried Mack und Pfarrer Wolfgang Sedlmeier bedankten sich herzlich bei Annette Schavan für den motivierenden Vortrag, der vielen Mut machte.

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