Baden-Württemberg muss das Zukunftslabor Europas bleiben

Plenarrede von Winfried Mack zur Zukunft der Automobilindustrie

Winfried Mack bei seiner Plenarrede zur Zukunft der Automobilindustrie in Baden-Württemberg
Winfried Mack bei seiner Plenarrede zur Zukunft der Automobilindustrie in Baden-Württemberg
Die Arbeitslosigkeit in Baden-Württemberg ist im Januar um 10 % gestiegen. Dies ist der höchste Anstieg unter allen Ländern. Ursache ist der Rückgang im Automobil- und Maschinenbau.

Es steht nicht viel auf dem Spiel, sondern alles. 

Wir dürfen nicht Hasardeuren das Feld überlassen, die denken, wir bräuchten „nicht noch mehr Automobilindustrie“. 

Stattdessen müssen wieder verlässliche Rahmenbedingungen für unsere Automobilwirtschaft geschaffen werden.

 

Zuerst muss Schluss damit sein, unsere Autos schlecht zu reden. Es gab einen Betrugsskandal. Aber es gibt keinen „Dieselskandal“.

Der Diesel wird gerade in Baden-Württemberg stetig weiterentwickelt – mit vergleichbar sehr guter CO2 Bilanz. Der Diesel ist damit Teil einer Zukunftslösung.

Mit Scheuklappen werden wir die Herausforderungen Klima und Arbeitsplätze in der Automobilindustrie nicht lösen.

Die einen „setzen Priorität auf batteriebetriebene E-Mobilität“ und wollen den Verbrennungsmotor ab 2030 verbieten. 

Dabei übersehen sie, dass mit einem solchen Plan auch im Jahr 2030 noch mindestens 3/4 der Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor fahren werden, selbst wenn 50 % der Neuwagen E-Autos wären (wie das KIT ausgerechnet hat). Damit könnten die Klimaziele von Paris keinesfalls eingehalten werden. Und die baden-württembergische Autoindustrie läge am Boden, obwohl die Marktforschung von Bosch sagt, im Jahr 2030 würden weltweit noch zwei Drittel der Neuwagen als Verbrenner verkauft. 

Das zeigt: Wir werden das CO2 Problem nicht lösen können, indem wir die Industrie in unserem Land kaputt machen.

Die FDP schlägt heute einen ähnlich einseitigen Weg vor, bloß anders herum - nach dem Motto: Elektroauto verteufeln, Rest prima. Das ist zu simpel gedacht.

Das E-Auto ist ein Teil der Lösung.

Über Hybrid- oder Wasserstoff-Lösungen können sich zudem neue Möglichkeiten ergeben.

Jedenfalls sei der FDP gesagt: In der Sozialen Marktwirtschaft entscheiden die Kunden über den Erfolg eines Produkts.


Die entscheidende Frage für uns im Land lautet:

Wie schaffen wir es, dass das Auto der Zukunft aus Baden-Württemberg kommt und hier produziert wird?

Wir sind doch das Zukunftslabor in Europa! Nutzen und mobilisieren wir den Sachverstand und das Know-how unserer Meister, Techniker, Ingenieure und Wissenschaftler im Land. Wir alle wollen die industrielle Substanz unseres Landes erhalten!


Dazu müssen wir klare Ziele formulieren:


1. Wir wollen zur Weltspitze der Motorenentwicklung gehören.

Japan reaktiviert gerade seine Grundlagenforschung für den Verbrennungsmotor – übrigens nach deutschem Vorbild.

China fährt ein massives Langfrist-Forschungsprogramm zur individuellen Mobilität, bei der der Verbrennungsmotor ein unabdingbarer Bestandteil ist.

Es gibt Berichte, wonach baden-württembergische Hersteller ihre Motor-Grundlagen-Forschung nach China verlagern.

 

2. Der Weg zur emissionsfreien Mobilität muss wirklich technologieoffen sein.

Nur so bleibt Mobilität auch für eine breite Bevölkerung bezahlbar.

Erfahrene Wissenschaftler sagen, dass eine Sektorentrennung, also Scheuklappen, zu falschen Anreizen und eindimensionaler Technologieförderung führen.

 

3. Wir müssen ein Programm für Investitionssicherheit auflegen und stringent verfolgen – und zwar sowohl investiv als auch regulatorisch.

Die Zeit drängt.

Nach der geltenden EU-Flottenregel dürfen Automobilhersteller seit dem 1.1. nur noch dann einen Verbrenner verkaufen, wenn sie zuvor ein E-Auto verkauft haben. Diese Vorschrift wird zurecht als E-Auto-Wette bezeichnet. Im Moment wird bei uns Technologiepolitik als Lotteriespiel betrieben:

Manche hier im Hause fordern sogar, die EU-Flottenregel noch zu verschärfen!

Wir brauchen stattdessen innovative Lösungen:

-       Synthetische Kraftstoffe und grüner Wasserstoff müssen rasch für den Auto- und Schwerlastverkehr zugelassen werden.

-       Synthetische und Wasserstoff müssen in der EU-Flottenregel umgehend anerkannt werden.

Die Annahme, die Mobilität aus der Steckdose sei CO2-neutral und alles andere sei „Umweltsau“, glaubt niemand.

Synthetische Kraftstoffe, die im Verbrennungsmotor genutzt werden und aus Erneuerbaren erzeugt werden, sind tatsächlich CO2-neutral.

 
Also: volle Kraft voraus für Synthetische Kraftstoffe, für die Weiterentwicklung von Wasserstoff, von Hybridlösungen, des Verbrennungsmotors und unbedingt auch der Batterie.

Runter mit den Scheuklappen. Wir sind jetzt stark gefordert als Möglich-Macher!

Noch haben wir die Chance, beim Auto den Anschluss Baden-Württembergs an die Weltspitze zu halten. Aber es ist eins vor 12.

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