Der laute Protest der Helfer

Augsburger Allgemeine Zeitung

von Ronald Hummel
 
Mit 118 Einsatzfahrzeugen demonstrierten Mitglieder verschiedener Hilfsorganisationen und der Feuerwehr für die Berücksichtigung des nördlichen Ries in der Rettungshubschrauber-Frage. Auch CSU-Fraktionsvorsitzender Schmid sprach.

Nördlingen/Donauwörth „Hier erhebt sich eine Region“, sagt Nördlingens Oberbürgermeister Hermann Faul bei diesem Anblick und Ansbachs Landrat Rudolf Schwemmbauer bewundert die „imposante Geschlossenheit der Rettungsdienste“: Nicht weniger als 118 Einsatzfahrzeuge waren der Aufforderung zur Sternfahrt auf die Nördlinger Kaiserwiese gefolgt.
Da steht ein Löschzug aus Wassertrüdingen nahe einem Anhänger mit Schlauchboot der Donau-Rieser Wasserwacht, ein Fahrzeug des Katastrophenschutzes aus Aschberg im Kreis Dillingen reiht sich mit THW-Fahrzeugen in die Phalanx der Löschzüge und Rettungsfahrzeuge ein, ganz vorne steht ein Hubschrauber der Heli Aviation Wallerstein, demonstrativ mit Rettungshubschrauber „Ries“ beschriftet.

Auf Bannern wird Horst Seehofer „Unterlassene Hilfeleistung“ und „Vetternwirtschaft“ vorgeworfen. Alle verfügbaren Martinshörner und Blaulichter werden zur Unterstreichung des Protestes eingeschaltet, auch wenn kaum einer mehr hofft, sich bei der Landesregierung Gehör zu verschaffen. Unter großem Applaus und begeisterten Zurufen „outen“ sich Stefan Rößle und Rudolf Schwemmbauer, die Landräte aus dem Donau-Ries-Kreis und aus Ansbach, zum ersten Mal im Leben als Demonstranten auf einer Kundgebung aktiv zu sein.
Rößle zeigt offen seinen Zorn.

Rößle, der mit den beiden weiteren Verbandsräten aus dem Kreis tags zuvor die entscheidende Sitzung des Rettungszweckverbandes in Augsburg demonstrativ vorzeitig verlassen hatte, zeigt seinen Zorn, auch gegen Parteigenossen: „Das war keine Anhörung, das war eine Farce. Ministerpräsident Seehofer hatte schon sein Machtwort gesprochen.“ Überdies hätte man den Donau-Rieser Verbandsräten Blockadehaltung vorgeworfen. Rößle dazu: „Wenn jetzt kein Hubschrauber kommt, kommt auch in den nächsten zehn Jahren keiner mehr.“

Georg Schmid, CSU-Fraktionsvorsitzender im Bayerischen Landtag, zeigte sich als Praktiker: „Ich habe bereits mit Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Stefan Mappus und dem Landtagsabgeordneten Winfried Mack Kontakt aufgenommen. Baden-Württemberg ist am Thema eines Rettungshubschraubers im Ostalbkreis dran.“ Für Schmid sei dies von allen möglichen Alternativlösungen die einzig verbliebene realisierbare.Am Rande der Veranstaltung spricht ein Ellwanger Arzt Schmid schon auf ein Grundstück an, das in Ellwangen als Landeplatz bereitstehe. Schmid erklärt, in derartige Detailfragen wolle er den Politikern des Nachbarlandes nicht vorgreifen.
 
„Ist es eigentlich Aufgabe des CSU-Fraktionsvorsitzenden oder des Innenministers, die Sache mit Baden-Württemberg abzuklären?“, fragt Nördlingens Oberbürgermeister Hermann Faul und fügt hinzu: „Warum traut sich der Innenminister nicht, gegen seinen Dienstherrn aufzubegehren?“ Faul mokiert sich auch über die Empörung Augsburger Politiker und unterstreicht, dass die Bürger die Verlierer des Gerangels seien. Für stellvertretenden Landrat Franz Oppel ist es eine Vertrauensfrage: Seehofer habe eine klare Zusage gegeben, dass der weiße Fleck im Ries abgedeckt werde und nun ohne Not und entgegen dem Gutachten keine Lösung aufgezeigt.

 

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