Das Auto der Zukunft muss aus Baden-Württemberg kommen
Unter dem Titel „Autoland BW – Das Auto der Zukunft muss aus Baden-Württemberg kommen“ diskutierten Experten und zahlreiche Gäste bei Identica Bader über Technologieoffenheit, ReFuels und wichtige politische Rahmenbedingungen für den Industriestandort Baden-Württemberg.
Durch den Abend führten Gastgeber und CDU-Ortsvorsitzender Marius Bader und die CDU-Kreisvorsitzende Heike Brucker. Sie brachte die zentrale Botschaft prägnant auf den Punkt: „Nicht der Verbrenner ist das Problem, sondern die Tankfüllung.“
Dr. Olaf Toedter: „Refuels müssen endlich industriellen Maßstab erreichen“
Dr. Olaf Toedter, ReFuels-Experte, stellte die energie- und klimapolitische Dimension der aktuellen Verkehrspolitik in den Mittelpunkt. Sein Befund: Der Verkehrssektor verfehle weiterhin die Klimaziele – trotz zahlreicher Maßnahmen, Regulierungen und Subventionen. Auch die angestrebte E-Quote für 2030 sei unter den derzeitigen Rahmenbedingungen kaum zu erreichen.
Er kritisierte, dass politische Vorgaben Forscher und Ingenieure häufig daran hinderten, die beste technologische Lösung zu entwickeln. „Was wir bisher haben, ist nicht das Optimum“, so Toedter. Statt ideologischer Festlegungen brauche es Technologieoffenheit und bessere Rahmenbedingungen für Innovation.
Im Zentrum seines Vortrags standen sogenannte Refuels – also Renewable Fuels, Kraftstoffe aus erneuerbaren Energien, die bereits heute in bestehenden Fahrzeugflotten eingesetzt werden können. Dazu zählen unter anderem synthetische E-Fuels, biogene Kraftstoffe und HVO (Hydrotreated Vegetable Oil).
Der schnellste Klimaschutzeffekt könne durch eine sofortige, breite Umstellung auf HVO erreicht werden. „Das ist keine Zukunftsmusik, das ist sofort umsetzbar“, betonte Toedter.
Zudem warnte er vor einem strategischen Rückstand: Die meisten neuen Anlagen zur Produktion synthetischer Kraftstoffe entstünden derzeit in China – und das, obwohl dort politisch vor allem die Elektromobilität gefördert werde. „Wenn wir diese Stoffe nicht nutzen, dann machen es andere“, so Toedter. Refuels müssten endlich industriellen Maßstab erreichen, um wirksam zum Klimaschutz beitragen zu können.
Tobias Vogt: „Baden-Württemberg muss 2036 weiterhin Autoland sein“
Tobias Vogt, Generalsekretär der CDU Baden-Württemberg, stellte die industriepolitische Gesamtstrategie in den Mittelpunkt. Sein Ziel: Baden-Württemberg soll auch 2036 Autoland sein – mit Wertschöpfung, Forschung, Innovation und Produktion rund um Autos, Lkw und Busse.
Als Exportland brauche Baden-Württemberg eine starke Automobilindustrie. Vogt und auch sein Landtagskollege Winfried Mack sprachen sich klar für Technologieoffenheit aus, für die Abschaffung des Verbrennerverbots und für flexiblere Flottengrenzwerte. Klimaschutz müsse durch Wettbewerb der besten Lösungen erreicht werden – ob E-Auto, Hybrid, Plug-in, synthetische Kraftstoffe oder hocheffizienter Verbrenner. „Nicht die Politik entscheidet, welche Technik sich durchsetzt, sondern der Markt“, so Vogt.
Landtagswahl als Richtungsentscheidung
Mit Blick auf die kommende Landtagswahl sprach Vogt von einer „Schicksalswahl“. Es gehe um die Frage, ob Baden-Württemberg Autoland bleibe.
Er kritisierte Fehlpriorisierungen in der Hochschulpolitik. Trotz hoher Ausgaben für Bildung und Forschung würden Mittel nicht dort eingesetzt, wo sie Baden-Württemberg als Innovationsland stärken. „Wir brauchen nicht Lehrstühle mit zwei Studenten, sondern klare Schwerpunkte in den Bereichen, die unser Land voranbringen.“ Frühkindliche Bildung müsse gestärkt werden, um allen Kindern gleiche Startchancen zu ermöglichen.
Zudem verwies Vogt darauf, dass nur noch rund 30 Prozent des Mittelstands im Land investierten. Neben wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen brauche es auch eine echte Willkommenskultur für Investitionen in der Verwaltung. Der Ministerpräsident setze die Leitlinien der Politik „und Manuel Hagel setzt die richtigen Prioritäten für Aufschwung und Wohlstand.“
Winfried Mack: „HVO ist Gegenwart – jetzt braucht es den Hochlauf“
Winfried Mack, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, betonte die industrielle Stärke Ostwürttembergs. Die Region sei eine der bedeutendsten Industrieregionen Europas, breit aufgestellt – mit einem starken Automobilzuliefersektor. Zudem habe Baden-Württemberg die höchste Innovationsquote in Europa. „Diese Erfindungen auf die Straße zu bringen, das ist entscheidend für die Zukunft als Industriestandort.“
Er forderte konsequente Technologieoffenheit und Wettbewerb der besten Ideen und das ohne Denkverbote. Forschung und Innovation müssten Leitlinie politischen Handelns sein. HVO-Kraftstoff könne bereits heute getankt werden. „Das ist keine Zukunft, das ist die Gegenwart.“ Nun brauche es den entschlossenen Hochlauf der Refuels.
Die Klimaziele seien nur erreichbar, wenn alle technologischen Möglichkeiten genutzt würden – nicht durch Verbote, sondern durch Innovation und Wettbewerb.
Marius Bader: „Der Mittelstand ist das Rückgrat unserer Wirtschaft“
Gastgeber Marius Bader sprach als Unternehmer, Stadtrat und Ortsverbandsvorsitzender. Für ihn ist die Wahl am 8. März eine klare Richtungsentscheidung.
Der Ostalbkreis sei eine Region der Macher – geprägt von Handwerk, Familienunternehmen, Zulieferern und Ausbildungsbetrieben. „Der Mittelstand ist nicht das Problem, das man regulieren muss – er ist das Rückgrat unserer Wirtschaft“, so Bader.
Besonders das Handwerk leide unter Bürokratie und immer neuen Vorgaben. Der Strukturwandel funktioniere nur mit dem Handwerk, nicht gegen das Handwerk. Planungssicherheit und verlässliche politische Rahmenbedingungen seien Voraussetzung für Investitionen. Zukunftsfähigkeit entscheide sich vor Ort – in Kommunen, Betrieben und Familien.
Große Resonanz und lebhafte Diskussion
Die Veranstaltung war sehr gut besucht. Die Gäste zeigten großes Interesse, stellten zahlreiche Fragen und beteiligten sich intensiv an der Diskussion. Für das leibliche Wohl war ebenfalls gesorgt; die Einnahmen des Abends werden an den Förderverein Langertschule E.L.S.E. e.V. gespendet.
Der Abend machte deutlich: Die Zukunft des Automobilstandorts Baden-Württemberg bewegt die Menschen. Technologieoffenheit, industrielle Wertschöpfung und Klimaschutz durch Innovation standen im Mittelpunkt – verbunden mit dem klaren Ziel, Baden-Württemberg auch künftig als führendes Autoland zu erhalten.